Momentum Strategien und Trendfolgemodelle
Momentum-Strategien und Trendfolgemodelle zählen zu den quantitativen Handels- und Anlagestrategien an den Kapitalmärkten. Beide Ansätze basieren auf der Annahme, dass sich Kursbewegungen aus der Vergangenheit zumindest über einen gewissen Zeitraum fortsetzen und damit systematisch nutzbar sind. Sie werden im Aktienmarkt, bei ETFs, Futures oder Einzelaktien eingesetzt und gehören zum Bereich des faktororientierten Investing.
Momentum-Strategien: Fortsetzung von Kursstärken
Momentum-Strategien fokussieren sich auf Wertpapiere, die in der jüngeren Vergangenheit eine überdurchschnittliche Kursentwicklung gezeigt haben. Aktien mit starkem Aufwärtstrend werden gekauft, während Titel mit schwacher Entwicklung gemieden oder verkauft werden. Das Momentum dient dabei als zentraler Indikator, häufig gemessen über relative Renditen, gleitende Durchschnitte oder andere Faktoren.
Der Ansatz ist prognosefrei und stützt sich ausschließlich auf beobachtete Kursdaten. Momentum-Strategien werden sowohl als taktische Handelsstrategie im Trading als auch langfristig im Rahmen einer systematischen Anlagestrategie genutzt. Risiken entstehen insbesondere bei abrupten Marktumschwüngen, steigender Volatilität oder plötzlichen Trendwechseln, die zu Fehlsignalen führen können.
Trendfolgemodelle: Systematische Trendnutzung
Trendfolgemodelle (Trendfolge) verfolgen einen ähnlichen, aber breiter angelegten Ansatz. Ziel ist es, einen bestehenden Markttrend zu identifizieren und diesem zu folgen – unabhängig davon, ob es sich um einen Aufwärts- oder Abwärtstrend handelt. Typische Instrumente sind Trendlinien, gleitende Durchschnitte, Signallinien oder kanalbasierte Modelle aus der Charttechnik.
Ein Trendfolgesystem erzeugt klare Kaufsignale und Verkaufssignale, sobald sich die Trendrichtung ändert. Besonders effektiv sind Trendfolgestrategien in klaren Marktphasen, während sie in Seitwärtsmärkten oder bei kurzen Marktbewegungen an Aussagekraft verlieren. Die Positionsgröße und ein konsequentes Risikomanagement sind daher zentrale Bestandteile, um Verluste zu begrenzen.
Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Einsatz im Portfolio
Momentum-Strategien konzentrieren sich stärker auf relative Stärke einzelner Titel oder Einzelaktien, während Trendfolgemodelle häufig marktübergreifend eingesetzt werden. Beide Ansätze zielen auf langfristig positive Renditen, sind jedoch mit spezifischen Risiken verbunden.
Im Portfolio können Momentum- und Trendfolgeansätze zur Diversifikation beitragen, da sie oft anders reagieren als klassische fundamentale Strategien. Besonders in volatilen Marktphasen oder bei klar ausgeprägten Trends bieten sie eine strukturierte, regelbasierte Ergänzung zu traditionellen Investmentansätzen.